
Beschwerden/Symptome
Die Unterteilung der schlafbezogenen Verhaltensstörungen erfolgt aufgrund des Schlafstadiums, in welchem das auffällige Verhalten hauptsächlich auftritt.
Halluzinationen
Die häufigste Halluzination, welche auch bei gesunden Personen vorkommt, ist das starke Gefühl einer fremden Person im Schlafzimmer.
Schlaflähmungen
Gefühl von vollständig gelähmten Muskeln bei normaler Wachheit, kann beim ersten Mal zu Todesangst führen. Auch bei gesunden Personen (oft familiär bedingt).
Sprechen im Schlaf
(Somniloquie)
Mehr oder weniger verständliches Sprechen im Schlaf, selten können die Patienten dabei auch Fragen beantworten.
Stöhnen im Schlaf (Katathrenie)
Die Betroffenen geben beim Ausatmen wiederholte, lang anhaltende stöhnende, teilweise sehr laute Geräusche von sich, welche sie selber nicht wahrnehmen, den Bettpartner aber wecken können.
Schlafwandeln und konfusionelles Erwachen
Schlafwandeln tritt typischerweise im Tiefschlaf auf. Man vermutet, dass gewisse Hirnzentren für die Motorik bereits wach sind, währenddem die Hirnareale, welche das Gedächtnis und das vernünftige Verhalten beinhalten, noch schlafen. Dies führt nicht selten zu Unfällen z.B. einem Treppensturz, Sturz aus dem Fenster oder zur Einnahme von ungeniessbaren oder giftigen Substanzen bis hin zum vermeintlichen Selbstmord. Schlafwandler entwickeln unerklärliche Kräfte, schieben Möbel umher und empfinden viel weniger Schmerzen als im Wachzustand.
Das konfusionelle Erwachen, bei welchem die Patienten das Bett noch nicht verlassen haben, nur aufsitzen und mit leerem Blick umherschauen oder etwas murmeln, stellt eine Vorstufe dar. Beim Erwachen wirken die Betroffenen noch mehrere Minuten verwirrt und typischerweise erinnern sie sich nicht konkret an Ihre Taten oder Träume.
Bettnässen
Oft passiert das Bettnässen im Tiefschlaf, wenn der Harndrang nicht ausreicht, um den Schläfer zu wecken.
Schlafbezogenes Essen
Schlafwandler gehen eher selten zum Kühlschrank (Sleep related Eating Disorder). Dies muss vom häufigeren nächtlichen Essen im Wachzustand (Nocturnal Eating Syndrome) abgegrenzt werden. Beide Formen können zu einer Gewichtszunahme führen.
Sex-Somnia
Vorwiegend männliche Betroffene können während einer Schlafwandelepisode ihre Bettpartnerin sexuell belästigen.
Sleep-Driving
Während einer Schlafwandelepisode können die Betroffenen in ein Auto steigen und wegfahren, wobei es aber öfters zu Unfällen kommt.
Sleep-Crime
Während einer Schlafwandelepisode können die Betroffenen ihren Bettpartner angreifen und teilweise schwer verletzten oder gar töten. Berühmt ist der Fall von Ken Parks, der während einer Schlafwandelepisode mit dem Auto eine längere Distanz gefahren ist und in einer entfernten Ortschaft seine Schwiegermutter erschoss. Weil man das Schlafwandeln als wahrscheinlichste Ursache nachweisen konnte, wurde er zunächst freigesprochen. Später wurde aber kritisiert, dass er im Wissen um sein Schlafwandeln den Zugang zu den Autoschlüsseln und einer Waffe nicht wirksam verhindert hatte.
Albträume
Träume im REM-Schlaf, welche angstbetont und nachhaltig wirken, werden als Albträume bezeichnet. Solche Albträume treten besonders häufig nach einem psychischen Trauma im Rahmen einer posttraumatischen Stressreaktion in Erscheinung. Beim Erwachen sind die Betroffenen sehr rasch orientiert und erinnern sich im Detail an die Träume. Wegen der Angst vor weiteren Albträumen leiden die Betroffenen und v.a. Kinder oft an Einschlafstörungen.
Traum-Schlaf-Verhaltensstörung
Während dem REM-Schlaf führen die Träumer wilde Bewegungen aus, welche zu Selbstverletzungen oder zu Verletzungen des Bettpartners führen, weil sie sich im Traum gegen einen vermeintlichen Einbrecher oder gegen wilde Tiere zur Wehr setzen müssen. Im Schlaflabor kann man nachweisen, dass die Muskeln bei diesen Patienten während dem REM-Schlaf nicht vollständig gelähmt sind wie bei gesunden Träumern.
Ursachen
Bei den schlafbezogenen Verhaltensstörungen vermutet man eine Dissoziation zwischen den unterschiedlichen Schlaf-Wach-Zuständen. Im Gegensatz zum normalen Schläfer, bei welchem sich jeweils das ganze Gehirn im gleichen Zustand befindet, nimmt man an, dass sich Teile des Gehirns im Wachzustand befinden, währenddem gleichzeitig andere Bereiche noch im Tiefschlaf oder im Traumschlaf sind. Als auslösende Faktoren wird neben einer starken genetischen Komponente, einerseits verschiedene Faktoren in Betracht gezogen, welche zu einem tieferen Schlaf führen wie z.B. ein vorausgegangener Schlafmangel, abendlicher Alkoholgenuss oder der Konsum von Schlafmitteln. Andererseits gelten diverse weckende Faktoren ebenso als Auslöser, wie z.B. ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom, periodische Beinbewegungen im Schlaf, psychosozialer Stress aber auch externe Störungen durch den Bettpartner, Haustiere oder Strassenlärm.
Seit einigen Jahren weiss man, dass die Traum-Schlaf-Verhaltensstörung in vielen Fällen ein Vorbote einer Parkinson-Krankheit oder einer Demenz darstellt. In anderen Fällen verbirgt sich ein chronischer Alkoholgenuss, eine Narkolepsie oder ein schweres Restless Legs- Syndrom dahinter.
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Behandlung/Verlauf
Bei der Behandlung der schlafbezogenen Verhaltensstörungen stehen die Beratung hinsichtlich schützender Massnahmen sowie eine Verhaltenstherapie im Vordergrund. Schlafwandler sollten Türen und Fenster so gut wie möglich verschliessen und der Zugang zu Giften, Waffen, anderen spitzen Gegenständen oder zum Autoschlüssel sollte verunmöglicht sein. Alle Faktoren, welche einen vertieften Schlaf fördern sowie weckende Faktoren sollten vermieden werden. Dies kann durch eine regelmässigen und ausreichend langen Nachtschlaf erreicht werden, aber auch durch die Abklärung und allfällige Behandlung eines gestörten Schlafes (Schlafapnoe-Syndrom, periodische Beinbewegungen im Schlaf, Neckmyoklonus, Insomnie wegen psychosozialer Stresssituation etc.). Viele neurologische Krankheiten wie Epilepsie, Parkinson oder Demenz sind differenzialdiagnostisch oder als Ursache der nächtlichen Verhaltensstörungen zu bedenken.
Als letzte Möglichkeit, kommen einige Medikamente infrage: ein eher schwacher Effekt wird dem Melatonin zugeschrieben, eine stärkere Wirkung wird bei Clonazepam beobachtet. Bei anderen Benzodiazepinen wurde aber auch schon über eine Verschlechterung einer schlafbezogenen Verhaltensstörung berichtet.




