Patienten machen keinen Unterschied zwischen den Begriffen Müdigkeit und Schläfrigkeit, was aber für eine korrekte Diagnose und Therapie zwingend nötig ist!

Unter Schläfrigkeit versteht man die Tendenz in passiven, bei schwerer Schläfrigkeit sogar in aktiven Situationen effektiv einzunicken. Schläfrigkeit äussert sich zuerst in monotonen Situationen in sitzender oder liegender Stellung, verschwindet aber während aktiven Tätigkeiten. Die häufigste Ursache der Müdigkeit ist die Depression. Hinter einer Schläfrigkeit verbirgt sich oft ein Schlafmangel, eine Schlafapnoe-Syndrom oder eine Narkolepsie . Häufiges Schlafwandeln, epileptische Anfälle im Schlaf oder die Parkinson’sche Krankheit werden oft von einer Tagesschläfrigkeit begleitet.

Müdigkeit wird hingegen primär bei aktiven Tätigkeiten in Form schwerer Beine oder -in schweren Fällen- als körperliche Erschöpfung empfunden. Die häufigste Ursache ist eine Depression oder andere psychische Krankheit. Eine extreme Form von Müdigkeit tritt bei Patienten auf, welche an einem chronischen Müdigkeits-Syndrom (Chronic Fatigue Syndrom) leiden. Die Betroffenen benötigen nach einer durchschnittlichen Anstrengung Stunden bis Tage um sich zu erholen. Verschiedene neurologische oder internistische Krankheiten wie die Multiple Sklerose oder ein Eisenmangel können mit einer ausgeprägten Müdigkeit sowie einer körperlichen Erschöpfungsgefühlen im Zusammenhang stehen.

Ein verlängerter Schlafbedarf (Hypersomnie) äussert sich oftmals als Tagesschläfrigkeit, weil diese Patienten im Vergleich zu ihrem wahren Schlafbedarf zu wenig lange schlafen. Das Hauptsymptom besteht aber in einem erschwerten Erwachen, mit einem Gefühl der Schlaftrunkenheit während der ersten Stunde nach dem Aufstehen. Ein Langschläfer-Typ kann das Problem durch einen verlängerten Nachtschlaf z.B. in den Ferien korrigieren, bei der idiopathischen Hypersomnie nützt diese Massnahme nur bedingt.

Fahreignung bei Tagesschläfrigkeit

Besonders wichtig sind Abklärungen jeglicher Form von Tagesschläfrigkeit findet bei Prüfung der Fahreignung. Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom, Narkolepsie oder anderen Ursache einer schweren Tagesschläfrigkeit, gelten primär als nicht fahrgeeignet und müssen gemeinsam mit den behandelnden Ärzten ihre Fahreignung unter Beweis stellen. Um sich Ärger und Kosten zu ersparen, ist es wichtig mit einem erfahrenen Schlafmediziner die richtige Reihenfolge der Massnahmen zu besprechen. Ansonsten läuft man Gefahr, von einem nicht informierten Arzt oder sogar einer Versicherung direkt dem Strassenverkehrsamt oder dessen Vertrauensarzt (Stufenarzt) zugewiesen zu werden, was unnötig hohe Kosten verursachen kann. Für den Führerschein der Gruppe 1 (private Fahrten) sind in der Regel klinische Untersuchungen beim Schlafmediziner ausreichend. Beim Führerschein der Gruppe 2 (Berufsfahrer) ist oft ein multipler Wachhalte-Test (MWT) im Schlaflabor nötig, bevor die Fahreignung attestiert werden kann.

Ein falsches Vorgehen findet sich besonders häufig bei Bewerbern für den Lernfahrausweis, welche an einer Schlaf-Wach-Krankheit mit Tagesschläfrigkeit leiden. Solche Patienten sollten sich beim Schlafmediziner melden, bevor sie den Antrag für den Lernfahrausweis stellen.