Bei einem beträchtlichen Anteil neurologischer Beschwerden kann trotz mehrfacher apparativer Zusatzuntersuchungen keine entsprechende organische Störung gefunden werden. Dies legt dann oft eine funktionelle Störung des Gehirns nahe. Gedanklich kann man sich dazu z.B. das Bild einer Software-Störung bei einwandfreier Hardware vorstellen.

Unterstützt wird die Annahme funktioneller Beschwerden, wenn diese nicht typisch oder spezifisch für eine der bekannten Krankheiten sind. Oft kommen sie dann plötzlich, gehen wieder, schwanken stark in ihrer Stärke und wechseln häufig mit beschwerdefreien Zuständen. Häufige Beschwerden sind:

1) Gefühlsstörungen, welche nicht zum bekannten Gebiet eines Nervens oder Nervenzentrums passen und häufig den Ort am Körper wechseln.

2) Schwindel, welcher sich eher wie ein Schwanken des Bodens anfühlt und häufig mit plötzlicher Angst verbunden ist.

3) Oft können Beschwerden hinzukommen, die man teilweise von anderen Erkrankungen kennt. Auch hier findet man oft keine organische Störung trotz mehrfacher apparativer Zusatzuntersuchungen. Diese können sein:

  • Zittern an den Händen
  • Wärme- oder Kältegefühl an den Händen
  • Klossgefühl im Hals
  • Druck auf der Brust, Störungen am Herzen
  • Übelkeit
  • Plötzliche Angst, Panik
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren
  • Gefühl, alles laufe nebenher ab. Gefühl, „neben den Schuhen“ oder „im falschen Film“ zu sein, Gefühl aus einem unangenehmen „Traum“ nicht erwachen zu können.

Traditionelle Bezeichnungen für Krankheitsbilder, die der funktionellen Störung diagnostisch nahestehen, sind z.B. psychogene oder psychosomatische Störungen, vegetative Dystonie, Konversionsstörung, somatoforme Störung. Diese Erkrankungen befinden sich meist im Grenzgebiet zwischen Neurologie und Psychiatrie, was oft auch Probleme mit fachlichen Zuständigkeiten machen kann.

Besonders schwierig kann es sein, wenn gleichzeitig organisch und psychisch ausgelöste Beschwerden zusammenkommen (psychische Überlagerung bei organischen Beschwerden). Hier braucht es bei der Einschätzung viel Erfahrung.

Ursachen

Ursachen sind meist aktuelle oder auch vergangene Stressfaktoren. Die Seele sucht sich quasi ein Ventil über eine krankhafte Aktivierung spezieller Hirnareale, welche die Beschwerden auslösen. Es kommt sozusagen zu einer Funktionsstörung im Gehirn ohne erkennbaren organischen Auslöser.

Behandlungsmöglichkeiten

Wesentlich ist am Beginn, dass der Patient vorerst einmal akzeptieren lernt, dass seine Beschwerden keine schwerwiegende organische Ursache haben. In weitere Folge gibt es drei mögliche Behandlungsansätze, welche auch parallel angewendet werden.

1) Erhöhung der physischen Aktivität, (inklusive Physio-, Ergotherapie)

2) Medikamente

3) Gesprächstherapie