
Empfindungsstörungen (auch bezeichnet als Sensibilitätsstörung, Gefühlsstörung, Taubheitsgefühl, Kribbeln, …) können eingeteilt werden in: 1) solche, bei denen das Gefühl fehlt (Taubheitsgefühl, Gefühl wie „nach dem Zahnarzt“) und 2) solche, bei denen unangenehme Gefühle, Missempfindungen oder sogenannte neuropathische Schmerzen erzeugt werden (Brennen, Stechen, Kribbeln, …). Letztere sind meist mit ersteren kombiniert. Umgekehrt ist dies nicht unbedingt immer der Fall.
Taubheitsgefühl
Hier handelt es sich um eine Störung der Empfindung und Wahrnehmung von Reizen wie oberflächlichen Berührungen, aber auch Schmerz und Temperatur. Oft ist es der Tastsinn, dessen Einschränkung subjektiv besonders störend ist. Die Ursachen dafür sind vielfältig und können sowohl bei einer Verletzung der Nervenstruktur im zentralen Nervensystem (bei Schädigungen am Gehirn oder Rückenmark, z.B. bei Schlaganfall oder Multipler Sklerose) als auch im peripheren Nervensystem entstehen (z.B. Nervenschädigungen bei Stoffwechselerkrankungen, entzündlichen Erkrankungen, z.B. bei Polyneuropathien). Nur in ganz schweren Fällen kommt es wegen der fehlenden Rückmeldung von Muskeln und Gelenken (Wirkung der Schwerkraft oder Beschleunigung) zum Gehirn zu einer Koordinationsstörung und Gangunsicherheit kommen.
Missempfindungen
Bei diesen Empfindungsstörungen kommt es häufig zu unangenehmen, manchmal als „elektrisierend“ oder wie „Ameisenlaufen“ beschriebenen Missempfindungen. Auch hier können die Ursachen sowohl im zentralen oder peripheren Nervensystem liegen. Missempfindungen können auch zu Schlafstörungen führen, wie zum Beispiel auch beim Restless Legs-Syndrom. Sie können auch attackenförmig oder episodenhaft auftreten (z.B. bei fokalen epileptischen Anfällen oder bei schweren Formen der Migräne). In schwereren Fällen können diese bei strukturellen Verletzungen der Nerven auch sehr schmerzhaft sein. Dieser Schmerz nennt sich dann, weil er von einer Nervenschädigung selbst ausgelöst wird neuropathischen Schmerz.
Neuropathischer Schmerz
Die Art dieses Schmerzes wird als anfallsartig, einschiessend charakterisiert und häufig als brennend, stechend oder auch dumpf beschrieben. Der Nervenschmerz (auch Neuralgie genannt) kommt von einer Übererregbarkeit des Nerven, der aufgrund einer Verletzung selbständig Signale im Übermass produziert. Bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen sind die „typischen“ Schmerzmedikamente (Aspirin, Paracetamol, Diclofenac, etc.) wenig wirksam. Hier kommen meist Antiepileptika zum Einsatz, da nur diese die Übererregbarkeit des Nerven reduzieren können. Sind die Nervenendigungen von einer Schädigung betroffen, kann das Gehirn den Ort der Schädigung exakt am Ort des Schmerzes identifizieren (z.B. bei Verletzungen an den Fingerspitzen oder bei der Polyneuropathie in den Zehenspitzen). Sind jedoch die Nerven an einem Ort im Verlauf des Nerven geschädigt, hat das Gehirn Schwierigkeiten, den Ort der Schädigung zu lokalisieren. Daher strahlen diese Schmerzen typischer Weise sowohl bis in das Gebiet aus, das von dem Nerven versorgt wird (z.B. beim Bandscheibenvorfall, der Nervenwurzel im Verlauf bedrängt, in das Bein, bei der Trigeminusneuralgie in das Gesicht, beim Karpaltunnelsyndrom in die Fingerspitzen von Daumen bis Ringfinger, …) oder sie sind auch im Verlauf des Nerven in Richtung Körper hin zu spüren (z.B. nächtliche Oberarmschmerzen beim Karpaltunnelsyndrom). Neuropathische Beschwerden können auch mit einer Schwäche am Arm oder Bein oder mit einer Ungeschicklichkeit verbunden sein.










